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Sorgerecht

Sorgerecht

Gemeinsames Sorgerecht

Das gemeinsame Sorgerecht von Vater und Mutter ist der Regelfall im deutschen Familienrecht. Beide Eltern sind daher berechtigt und verpflichtet für ihr gemeinsames Kind zu sorgen (§ 1626 Abs. 1 BGB).

Gemeinsames Sorgerecht bedeutet, dass die Eltern bei allen wichtigen Entscheidungen im Leben des Kindes eine gemeinsame Wahl treffen. Bei allen Angelegenheiten von erheblicher Bedeutung bedarf es der Zustimmung beider Elternteile. Solche Entscheidungen von erheblicher Bedeutung gibt es in den verschiedensten Bereichen im Leben des Kindes. Solche Fälle sind beispielsweise ein Schulwechsel, der Wechsel des Wohnortes des Kindes oder auch die Entscheidung über Operationen.

Bei Angelegenheiten des täglichen Lebens ist eine gemeinsame Entscheidung nicht erforderlich. Darüber entscheidet in der Regel der Elternteil, bei dem sich das Kind gewöhnlich aufhält (§ 1687 Abs. 1 S. 2 BGB). Bei solchen Angelegenheiten handelt es sich um Dinge, die keine schweren Folgen für das Leben des Kindes haben, so zum Beispiel ein Besuch beim Friseur, ein Arztbesuch wegen Schnupfens oder die Regelung wie lange das Kind am Computer verbringen darf.

Kind während der Ehezeit

Wird ein Kind geboren, während die Eltern verheiratet sind, liegt zunächst grundsätzlich gemeinsames Sorgerecht vor. In Ausnahmefällen kann alleiniges Sorgerecht vorliegen, wenn das Familiengericht dies zum Wohle des Kindes entscheidet.

Eheliches Kind nach der Scheidung/Trennung

Wenn sich die ehemals verheirateten Eltern scheiden lassen, ändert sich zunächst nichts an der Regelung des gemeinsamen Sorgerechts. Wenn einer der beiden Eltern das alleinige Sorgerecht erlangen will, so kann er dieses beispielsweise im Scheidungsverfahren beantragen. Ohne Beantragung wird die sogenannte „Folgesache“ Sorgerecht im Scheidungsverfahren nicht thematisiert.

Kind von nicht verheirateten Eltern

Sind die Eltern zum Zeitpunkt der Geburt des Kindes nicht verheiratet, so gibt es verschiedene Möglichkeiten gemeinsames Sorgerecht zu bewirken. Wird von diesen kein Gebrauch gemacht, so hat grundsätzlich zunächst die Mutter des Kindes alleiniges Sorgerecht.

  1. Gemeinsames Sorgerecht entsteht sobald die Eltern des Kindes heiraten.
  2. Erklären die Eltern vor dem Jugendamt oder bei einem Notar, dass sie das Sorgerecht gemeinsam ausüben wollen, entsteht ebenfalls gemeinsames Sorgerecht (sogenannte „Sorgeerklärung“).Eine solche Sorgeerklärung kann auch bereits vor Geburt des Kindes abgegeben werden.
  3. Des Weiteren kann das Familiengericht entscheiden, beiden Eltern das gemeinsame Sorgerecht zu übertragen. Das Familiengericht entscheidet darüber auf Antrag. Seit der Reform des Sorgerechts am 19.05.2013 kann insbesondere nun auch der uneheliche Vater eines Kindes ohne Zustimmung der Mutter gemeinsames Sorgerecht erlangen. Das Familiengericht wird dies entscheiden, solange keine Gründe vorgetragen werden oder ersichtlich sind, die einem Sorgerecht beider Eltern widersprechen würden. Maßstab jeder Entscheidung im Sorgerecht ist das Wohl des Kindes. Und grundsätzlich ist es im Wohl des Kindes, wenn beide Eltern zusammen für es sorgen.

Beantragung des alleinigen Sorgerechts

In der Regel wird vermutet, dass das gemeinsame Sorgerecht dem Kindeswohl entspricht. Zum Wohle des Kindes kann es jedoch ausnahmsweise erforderlich sein, einem Elternteil das alleinige Sorgerecht zuzusprechen. Insbesondere mag dies der Fall sein, wenn die Ausübung des gemeinsamen Sorgerechts aus verschiedenen Gründen nicht funktioniert. Beispielsweise weil die Eltern völlig zerstritten sind oder ein Elternteil sehr weit entfernt wohnt und daher nicht am Entscheidungsprozess teilnehmen kann.

Sind sich beide Eltern einig, dass alleiniges Sorgerecht für das Kind sinnvoll ist, so wird das Familiengericht dem Antrag in der Regel zustimmen. Zu beachten ist aber hier, dass ein Kind, welches über 14 Jahre alt ist, dem Antrag widersprechen kann. Dann hat das Gericht genauere Nachforschungen anzustellen.

Sind sich die Eltern allerdings nicht einig, wer das Sorgerecht über das Kind erhalten soll, so muss die Angelegenheit vor einem Familiengericht entschieden werden. Einem gerichtlichen Antrag auf alleiniges Sorgerecht kann nur dann zugestimmt werden, wenn mit erheblicher Sicherheit festzustellen ist, dass anderweitig dem Wohl des Kindes nicht genüge getan werden kann. Wesentliches Kriterium ist insbesondere auch eine problemlose Kommunikation zwischen den Eltern. Gibt es erhebliche Kommunikationsstörungen (beispielsweise mehrere vor Gericht ausgetragene Konflikte), so spricht viel dafür, dass dies eine erhebliche Belastung für das Kind ist. Alleiniges Sorgerecht kann dann geboten sein.

Alleiniges Sorgerecht bedeutet aber nicht, dass das andere Elternteil kein Recht auf Umgang mit dem Kind hat.

Was ist zu tun, wenn die Eltern sich bei gemeinsamem Sorgerecht um eine wichtige Entscheidung nicht einig werden können?

In einem solchen Fall kann ein Antrag beim Familiengericht eingereicht werden. Dieses entscheidet im streitigen Fall dann, welche Lösung für das Kind am vorteilhaftesten ist.

Gerne beraten Sie unsere Anwälte an unseren Standorten in Köln und Düssedorf in einem persönlichen Gespräch darüber, ob und wie Sie für Ihr Kind alleiniges Sorgerecht beantragen und durchsetzen können.